Wer sich mit dem Gedanken trägt, eine Ausbildung zum Dachdecker anzustreben, sollte sich über die Inhalte, die während der Lehrzeit vermittelt werden, schon im Vorfeld sorgfältig informieren. Schließlich ist der Beruf des Dachdeckers erheblich komplexer als es auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Daher stellen wir in den folgenden Abschnitten alle relevanten Informationen zu diesem Thema zur Verfügung, um ein möglichst authentisches Bild der Dachdecker-Ausbildung zu vermitteln.

Grundlagen

Zunächst einmal dauert die Lehrzeit in diesem Beruf drei Jahre, was einen im Handwerk recht gängigen Zeitraum darstellt. Während dieser Zeit findet die Ausbildung in aller Regel im sogenannten dualen Modus statt. Das bedeutet, dass parallel zueinander praktische Inhalte in der Lehrwerkstatt bzw. im Betrieb und theoretische Kenntnisse in der Berufsschule vermittelt werden. Die Aufteilung wird entweder innerhalb der Woche statt (zum Beispiel 3 Tage Praxis, 2 Tage Theorie) oder aber in Form längerer Blöcke durchgeführt. Einer der elementaren Bestandteile des schulischen Parts ist die Vermittlung wichtiger Inhalte zum Thema Werkstoffe. Hier lernen die Auszubildenden alle Eigenschaften unterschiedlicher Elemente wie beispielsweise Dachziegel, Dachsteine oder auch Dachschiefer. Darüber hinaus kommt den technischen Zeichnungen eine große Bedeutung zu. Schließlich müssen diese im Berufsleben selbst angefertigt und auch gelesen werden können. Weiterhin sind mathematische Kenntnisse von großer Relevanz, wenn es um den Dachdeckerberuf geht. Diese Komponente kommt insbesondere bei der Berechnung von Maßen, Materialbedarf und Kosten zum Tragen.

Die Ausbildungsschwerpunkte

Prinzipiell lässt sich die Ausbildung in fünf Schwerpunkte unterteilen, die, je nach Ausbildungsbetrieb, im Rahmen der Ausbildungszeit unterschiedlich gewichtet werden. Diese sind:
  • Reetdachtechnik
  • Dachdeckungstechnik
  • Energietechnik an Dach und Wand
  • Abdichtungstechnik
  • Außenwandbekleidungstechnik

Ablauf

Am Anfang der Ausbildung werden allgemeine Grundlagen zum Bau vermittelt. Wie richtet man eine Baustelle ein? Wie müssen Baugerüste platziert werden? Wie wird die Baustelle abgesichert? Was besagen die Vorschriften zum Arbeitsschutz? Im weiteren Verlauf geht es nun darum, beispielsweise einfache Konstruktionen herzustellen und Ziegel zu bearbeiten. Danach beginnen die Grundlagen zum Eindecken eines Daches – in aller Regel zunächst einmal mit Dachziegeln- oder Steinen. Sobald der Auszubildende dies sicher beherrscht, kommen als nächstes Schiefer und Kunststoff zur Anwendung. Außerdem wird die sogenannte Flachdachdeckung erlernt. Im weiteren Verlauf der Ausbildung wird der Fokus mehr und mehr auf eigenständiges Planen und Ausführen gelegt, um die im Einzelnen erworbenen Kenntnisse auch in effektiver Weise miteinander kombinieren und anwenden zu können. Hinzu kommen im späteren Verlauf der Ausbildung Maßnahmen zur Einrichtung von Blitzschutzanlagen sowie zum Einbau von Energieumsetzern.

Prüfungen

Üblicherweise findet spätestens am Ende des zweiten Lehrjahres eine Zwischenprüfung statt, um die eigenen Kenntnisse auch unter Prüfungsbedingungen anwenden zu können, eventuelle Schwächen auszumachen und bis zur Gesellenprüfung am Ende der Lehrzeit bei Bedarf entsprechend gegensteuern zu können. Diese Gesellenprüfung markiert den Abschluss der 3-jährigen Ausbildung und wird üblicherweise mit einem schriftlichen Teil begonnen, bei der es zumeist überwiegend um Themen wie Dachdeckungen im Allgemeinen, Abdichtungen und Außenwandbekleidungen geht. Im Anschluss folgt der praktische Teil, bei dem die Auszubildenden ihre erworbenen handwerklichen Fähigkeiten in den gleichen Bereichen unter Beweis stellen müssen. Wenn die Prüfung bestanden worden ist, findet in aller Regel die sogenannte “Freisprechung” statt. Eine zeremonielle Übergabe des lang ersehnten Gesellenbriefes, wie der Facharbeiternachweis in Handwerksberufen zumeist genannt wird. Dieses Dokument hat für die (ehemaligen) Azubis nicht nur einen symbolischen Wert, sondern öffnet auch wichtige Türen für die weitere berufliche Karriere. Zudem wird sich auch die finanzielle Situation nach dem Erhalt des Gesellenbriefes erheblich verbessern. Schließlich liegen die Einstiegsgehälter, je nach Betrieb, in einem Bereich zwischen 1900 und 2800 € netto. Wer seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und weiterführende Ambitionen in diesem Beruf hat; dem bieten sich diesbezüglich zahlreiche attraktive Möglichkeiten. So kann beispielsweise ein Posten als Vorarbeiter bzw. Kolonnenführer angestrebt oder sogar eine zusätzliche Ausbildung zum Dachdeckermeister absolviert werden.